Nun ist sie da: die Brötchentaste, genauer gesagt, deren Ersatz. Also kurz die Brötchenersatztaste, der Brötchentastenersatz, die Ersatzbrötchentaste, so was in der Art. Wir haben eben unsere Probleme mit den Schachtelwörtern. Das Heimattagesblatt hat dieser enormen Neuerung in der Landeshauptstadt die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Gleich zwei Artikel an einem Tag widmeten sich dem wohl größten Erfolg Magdeburgischer Kommunalpolitik seit Erfindung der Halbkugeln.
Nun kann man nämlich für 20 Cent 15 Minuten lang parken. Das ist ein enormer Fortschritt für den armen, gebeutelten Stadtrand-Touaregfahrer, der einen Parkplatz braucht, um in bester Citylage ein Geschäft aufzusuchen und bisher mit mindestens 50 Cent dabei war. Gut, es geht nicht um VW. Auch Besitzer anderer Autos mussten schon viel Geld für ihren Brötchentransporter und Zweitwagen hinlegen. Da ist es wohl gerecht, dass sie wenigstens beim Parken sparen können. Wir sehen sie regelrecht vor uns, die Fahrer eines JEEP Grand Cherokee oder eines A8, wie sie, während das Garagentor hochfährt, nervös an ihren Fingernägeln kauen, und sich die Frage stellen, ob eigentlich nicht heute genug Zeit wäre, um auf dem Breiten Weg die Samstagsfrühstücksbrötchen zu kaufen. Mutti, der Parkschein hat fast nicht gekostet! Das macht zwar den Verbrauch von, sagen wir, zwei bis drei Euro Spritkosten nicht ganz wett. Aber das tolle Gefühl beim Sparen am Automaten! Da lächelt sogar der Magdeburger.
Es soll hier keineswegs der Eindruck entstehen, die Taste sei überflüssig oder gar unsinnig. Schauen wir auf die klar erkennbaren wirtschaftlichen Folgen des weitsichtigen Handelns. Mehr Brötchentasten bringen mehr Autos in die Innenstadt, das bedeutet mehr Tunnelbedarf, gebaut werden muss ein Tunnel mit Verlängerung, so kommen später noch mehr Autos in der Innenstadt. Lieber Leser, sind Sie noch dabei? Die nächste logische Konsequenz, na? Noch mehr Brötchentastennutzer und noch mehr Innenstadtbäckerbesucher. So ein Aufschwung wird das! Da können die Grünen im Stadtrat nur zusehen. Die keinen Tunnel am Damaschkeplatz wollen und keine Autos im Zentrum und überhaupt. Uns immer mit schlechten Prognosen die Stimmung verderben, diese ewig Morgigen.
Ganz anders die kleinste Volkspartei Deutschlands (SPD, Sie erinnern sich?) und die andere Partei der kleinen Leute (CDU). Deren neuer Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, Wigbert Schwenke, soeben mit den meisten Stimmen gewählt, will mit der Taste den Innenstadthandel stärken. So wird es was, möchten wir Brötchengeber Schwenke zurufen. Weiter so! Hier noch ein paar Ideen für Ulrichshaus, Allee-Center und natürlich: Karstadt. Ach, und vielleicht auch für das rosa Haus neben dem Landtag, dem immer die Mieter abhanden kommen. Also, Schluss mit dem Zaudern: Domplatz beleben durch Parkmöglichkeiten auf allen Flächen, Ausgabe von Brötchengutscheinen an den Einfahrten zur Innenstadt und runter mit dem Mietzins mindestens in den Häusern der Wobau. Bei einem 200-Quadratmeter-Laden vielleicht auf – 20 Cent für 15 Minuten?
Die neue 15-Minuten-Taste wird übrigens an 223 Automaten in der ganzen Stadt installiert, nicht nur in der Zone zwischen den alten Stadtmauern. Wir wollen gar nicht wissen, wie viel Geld das kostet. Aber irgendwie fällt uns dabei auf, dass, wenn überall billig geparkt werden kann, gar kein Vorteil für die Innenstadtbackwarenhändler herauskommt. Irgendetwas ist da vielleicht doch schiefgelaufen. Wahrscheinlich sind wieder die in Brüssel schuld. An unseren Stadträten kann’s nämlich nicht liegen. Das weiß – wie immer aus sicherer Quelle –
federgeistchen
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