Sonntag, 15. November 2009

Sportstadt Magdeburg wird Spottstadt

In letzter Zeit läuft es irgendwie nicht mehr rund im Magdeburger Ballsport. Gut, vielleicht geht es den Volleyballern in der Regionalliga besser, den Vereinen mit den vielen Zuschauern scheint jedoch das Glück oder das Geschick zu fehlen. Böse Menschen tippen ja auf das Zweite. Und nun noch die Managerseuche. Fußball: Manager geht. Handball hat einen, der angeblich einen Nachfolger sucht, aber niemand will herkommen. Trainer Biegler ist fast weg, der neue... Naja, das bringt uns zu der Frage, wie schlau ist es, einem Angestellten einen Aufhebungsvertrag zu geben, wenn man die Nachfolge noch nicht geklärt hat?

Es geht anscheinend drunter und drüber, seit Sannes Kumpel Lesse den Verein führt, und was macht der investigative Journalismus der Volksstimme? Er macht Jahresurlaub, besser: seit Jahren Urlaub.Keine Informationen, willkürliche Entscheidungen, gleichgeschaltete Presse. So ähnlich haben wir uns vor über 20 Jahren auch schon mal gefühlt. Dabei ist doch die SED/PDS/LINKE noch gar nicht an der Macht!

Der Obermürgermeister ist übrigens auch gerade weg. Krank, grippaler Infekt. Schwein gehabt, dass es nichts Schlimmeres ist. Möglicherweise springen ja die wilden Viren nicht mehr nur vom Tier zum Menschen, sondern auch vom Tier auf den Computer. Das würde das Schweigen der Handball-PR-Abteilung erklären.

Leute, es ist zu traurig, um darüber noch Witze zu machen. Der wahre Fan macht jetzt das Licht aus. Guten Abend.

Dienstag, 22. September 2009

Magdeburgs Klause-Witz

Der Oberbürgermeister hat’s erlaubt, dann wollen wir’s auch tun: Wir beteiligen uns an der Diskussion über Architektur in unserer schönen und modernen Stadt mit den vielen alten Häusern und zahllosen Schmuckkästchen der Neuen Zeit. „Aber sie muss auf der sachlichen Ebene bleiben!“ ruft uns der OB aus seinem Heimatblatt Volksstimme flugs noch hinterher, also befolgen wir auch diesen Wunsch und bleiben auf der Ebene der Sachlichkeit. Der Versuch, satirisch zu sein, ist – angesichts massiver realsatirischer Anmerkungen aus Kommunalpolitik und Denkmalschutz – ohnehin zum Scheitern verurteilt.

Wer immer noch nicht weiß, worum es geht, der sollte schnellstmöglich das Schleinufer in Richtung Norden befahren und dabei versuchen, die altehrwürdige Lukasklause zu entdecken. Kenner der Gegend und Volksstimme-Abonnenten wissen: Das wird nichts mehr. Denn vor der Klause steht eine Baustellenverkleidung, die den mittelalterlichen Bau gleich mit verdeckt. Zu unserem Erstaunen behaupten die Architekten seit Entdeckung der Verdeckung allerdings beharrlich, diese sei der Anbau, der sei modern und die Kritiker sollten doch mal warten bis alles fertig sei. Nun, wir sind jedenfalls schon ziemlich fertig, nämlich vor lauter Entsetzen. Denn was aussieht wie ein gepflegter Bretterzaun mit Schriftzug, ist in Wirklichkeit aus Sichtbeton. Und der heißt schließlich so, weil man ihn auch nach der Fertigstellung eines Baus sehen soll. Aber warum tun Architekten so etwas? Und sagt denn da keiner was, bevor unsere fleißigen Bauarbeiter anfangen unser Mittelalter zuzubetonieren? Oder wollten diese Neokubisten vielleicht den Klause-Bau nur vor zu viel Südsonne und -wind schützen? Übrigens: Kennen Sie den, den Klause-Witz? Sichtbeton ist die Fortsetzung der Architektur mit anderen Mitteln.

Gibt es Trost angesichts des ockerfarbenen Hochbunkers? Na klar, vom Denkmalschutz! Danach handele es sich nämlich um „keinen Eingriff im Sinne des Denkmalschutzgesetzes“. Klar, schließlich wird das Denkmal geschützt. Sogar vor neugierigen Blicken. Außerdem würden die Eigenschaften des Kulturdenkmals durch den Erweiterungsbau nicht berührt. Stimmt auch. Der Abstand ist erkennbar – wenn man ganz nah ran geht. Diese Argumentation wird manchen Bewohner in der Gartenstadt Reform, in der Beimssiedlung und in anderen vom Denkmalschutz okkupierten Gebieten aufatmen lassen. Anbauten schützen das Denkmal! Und wenn die Garage nur deutlich anders aussieht als das Haus, ist auch der Fortschritt der Architektur, „die bauliche Entwicklung weiterhin ablesbar“. So wollen es die Denkmalschützer. Heimwerker aller Länder, jetzt geht wieder was!

Gott sei Dank hat die Volksstimme ihr Herz für den aufgebrachten Leser entdeckt und druckt dessen wütende Texte ab. Daran mangelt es derzeit auch aus anderem Anlass nicht. Naturgemäß regt auch die frische Marketingkampagne unter der Dachmarke Otto die Leser zu kreativen Wortmeldungen an. Wir wollen hier aus der Not eine Tugend machen und zwei schöne Vorschläge einreichen, die beide Ereignisse verbinden: Otto betoniert. Otto sieht nicht durch.

Unterm Strich bekommt so oder so Wigbert Schwenke Recht. Der meinte anlässlich des Richtfestes hoffnungsfroh: „...und am Ende gab es entweder eine Auszeichnung oder der Bau entwickelte sich zum Touristenmagneten.“ Beides geht eben nicht.

Sonntag, 21. Juni 2009

Aufschwung mit Brötchen

Nun ist sie da: die Brötchentaste, genauer gesagt, deren Ersatz. Also kurz die Brötchenersatztaste, der Brötchentastenersatz, die Ersatzbrötchentaste, so was in der Art. Wir haben eben unsere Probleme mit den Schachtelwörtern. Das Heimattagesblatt hat dieser enormen Neuerung in der Landeshauptstadt die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Gleich zwei Artikel an einem Tag widmeten sich dem wohl größten Erfolg Magdeburgischer Kommunalpolitik seit Erfindung der Halbkugeln.

Nun kann man nämlich für 20 Cent 15 Minuten lang parken. Das ist ein enormer Fortschritt für den armen, gebeutelten Stadtrand-Touaregfahrer, der einen Parkplatz braucht, um in bester Citylage ein Geschäft aufzusuchen und bisher mit mindestens 50 Cent dabei war. Gut, es geht nicht um VW. Auch Besitzer anderer Autos mussten schon viel Geld für ihren Brötchentransporter und Zweitwagen hinlegen. Da ist es wohl gerecht, dass sie wenigstens beim Parken sparen können. Wir sehen sie regelrecht vor uns, die Fahrer eines JEEP Grand Cherokee oder eines A8, wie sie, während das Garagentor hochfährt, nervös an ihren Fingernägeln kauen, und sich die Frage stellen, ob eigentlich nicht heute genug Zeit wäre, um auf dem Breiten Weg die Samstagsfrühstücksbrötchen zu kaufen. Mutti, der Parkschein hat fast nicht gekostet! Das macht zwar den Verbrauch von, sagen wir, zwei bis drei Euro Spritkosten nicht ganz wett. Aber das tolle Gefühl beim Sparen am Automaten! Da lächelt sogar der Magdeburger.

Es soll hier keineswegs der Eindruck entstehen, die Taste sei überflüssig oder gar unsinnig. Schauen wir auf die klar erkennbaren wirtschaftlichen Folgen des weitsichtigen Handelns. Mehr Brötchentasten bringen mehr Autos in die Innenstadt, das bedeutet mehr Tunnelbedarf, gebaut werden muss ein Tunnel mit Verlängerung, so kommen später noch mehr Autos in der Innenstadt. Lieber Leser, sind Sie noch dabei? Die nächste logische Konsequenz, na? Noch mehr Brötchentastennutzer und noch mehr Innenstadtbäckerbesucher. So ein Aufschwung wird das! Da können die Grünen im Stadtrat nur zusehen. Die keinen Tunnel am Damaschkeplatz wollen und keine Autos im Zentrum und überhaupt. Uns immer mit schlechten Prognosen die Stimmung verderben, diese ewig Morgigen.

Ganz anders die kleinste Volkspartei Deutschlands (SPD, Sie erinnern sich?) und die andere Partei der kleinen Leute (CDU). Deren neuer Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, Wigbert Schwenke, soeben mit den meisten Stimmen gewählt, will mit der Taste den Innenstadthandel stärken. So wird es was, möchten wir Brötchengeber Schwenke zurufen. Weiter so! Hier noch ein paar Ideen für Ulrichshaus, Allee-Center und natürlich: Karstadt. Ach, und vielleicht auch für das rosa Haus neben dem Landtag, dem immer die Mieter abhanden kommen. Also, Schluss mit dem Zaudern: Domplatz beleben durch Parkmöglichkeiten auf allen Flächen, Ausgabe von Brötchengutscheinen an den Einfahrten zur Innenstadt und runter mit dem Mietzins mindestens in den Häusern der Wobau. Bei einem 200-Quadratmeter-Laden vielleicht auf – 20 Cent für 15 Minuten?

Die neue 15-Minuten-Taste wird übrigens an 223 Automaten in der ganzen Stadt installiert, nicht nur in der Zone zwischen den alten Stadtmauern. Wir wollen gar nicht wissen, wie viel Geld das kostet. Aber irgendwie fällt uns dabei auf, dass, wenn überall billig geparkt werden kann, gar kein Vorteil für die Innenstadtbackwarenhändler herauskommt. Irgendetwas ist da vielleicht doch schiefgelaufen. Wahrscheinlich sind wieder die in Brüssel schuld. An unseren Stadträten kann’s nämlich nicht liegen. Das weiß – wie immer aus sicherer Quelle –
federgeistchen

Sonntag, 29. März 2009

Die Hälfte der Zeit ist rum!

Der Herausgeber sagte, schreib doch diesmal etwas über den Frühjahrsputz in Buckau, da kann man doch was draus machen. Ich dachte, ja, das ist ein prima Thema, das hat Potential. Im ersten Moment denkt man zwar lediglich an Hinterlassenschaften von Dackeln und Doggen. Man hat Bilder vor sich vom Rest des Winters, einer grauen, schmierigen, halb organischen Masse, die es aus den Gossen zu hebeln gilt. Und vor den Lokalen liegen Zigarettenreste, die aus dem warmen Nest der Kneipengemeinschaft ausgestoßene Raucher zurückgelassen haben. Zugegeben, das riecht noch nicht nach dem großen Thema.

Auf den zweiten – den politischen – Blick zeichnet sich hier jedoch eine besonders schöne Form von Bürgerbeteiligung ab. Ganz so, wie es die Stadtpolitik derzeit mag. Nicht nur in Buckau, in der gesamten Landeshauptstadt soll geputzt werden. Beigeordneter Holger Platz steht in den Medien an vorderster Front und ruft auf zum Mach-Mit-Wettbewerb dieser schönen neuen Zeit. Ich weiß nicht, ob die Hundebesitzer nun schamhaft mit dem Besen Gassi gehen oder ob die Raucher mit der Schippe ihre Runden drehen. Aber es wird viel geputzt und über die großen Erfolge wird berichtet. Die Bürger sind beteiligt!

Ganz anders hatten sich die demonstrierenden Magdeburgerinnen und Magdeburger das im Jahr 1989 womöglich noch vorgestellt mit der Bürgerbeteiligung. Es ging um Teilhabe an politischen Entscheidungen, um elementare Rechte wie Versammlungs-, Rede- und Reisefreiheit. Der Domplatz quoll über am 4. November vor knapp 20 Jahren. Es hatten sich etwa 30.000 Menschen zusammengefunden. Ein Chilene trat ans offene Mikrofon und sagte: „Nutzt diese Chance, die nächste bekommt ihr erst in vierzig Jahren!“ Nun, die Hälfte der Zeit ist rum.

Wie gehen die Verwalter der Revolution mit dem Erbe um? Wie ist die Lage in Magdeburg? Welche Themen bestimmen die politischen Debatten in Stadt und Land? Ist das Rathaus gläsern, sieht man als Außenstehender durch oder müssten die Scheiben geputzt werden? Was geschieht eigentlich im Landtag?

Am Hauptbahnhof wird eine neue Bahnbrücke gebaut. Vielleicht auch ein Tunnel. Manche Stadträte sind dafür, manche dagegen. Eine besondere Form der Meinungsfreiheit pflegen dabei einige Genossinnen und Genossen der SPD und der Linken, sie sind nämlich frei von Meinung. Gut, das hatte zumindest zur Folge, dass die Linke auf die rettende Idee kam, Bürgerbeteiligung in dieser wichtigen stadtpolitischen Frage herzustellen. Ein Bürgerentscheid soll her! Der Oberbürgermeister mag das nicht, denn damit würden die Stadträte Verantwortung aus der Hand geben. Ja, an wen denn? An die Bürger! Was so furchtbar wirklich nicht sein kann. Bestimmen selbige doch sogar über die Zusammensetzung des Stadtrates, der nächste Wahltermin rückt näher. Selbst etwas Ähnliches wie Wahlkampf hat ja schon begonnen. Nicht sehr spektakulär, eher alternativ. Aber immerhin.

Im Landtag von Sachsen-Anhalt haben sich derweil die Abgeordneten zwischen Nichtraucherschutz und Kneiperschutz verheddert. Mittlerweile versteht kaum noch jemand, wo er wann und warum im Innern eines Gebäudes rauchen darf oder nicht. So klar wie nur möglich ist, dass wieder mehr in Kneipen geraucht werden darf. (Aber Vorsicht beim Überschreiten der Landesgrenze, in Thüringen oder Niedersachsen kann alles ganz anders sein!) Somit dürfte es wenigstens wieder weniger Kippen auf den Bürgersteigen geben. Was sicher die am Frühjahrsputz beteiligten Bürgerinnen und Bürger freut. Wenn das kein Potential hat...

Samstag, 21. März 2009

Eine Königin und Wohltäterin im Interview
„Es geht auf die Knochen“

Eine der bekanntesten Magdeburgerinnen, die erste Gemahlin Otto des Großen, ist seit Wochen außerhalb der Landehauptstadt unterwegs. Federgeistchen gelang es, Editha in Halle an der Saale aufzuspüren und Ihr einige tiefschürfende Fragen zu stellen und aufschlussreiche Antworten zu entlocken.

Ihre Lieblichkeit, Sie sind im Alter von 1099 Jahren zum ersten Mal in Halle. Warum erst jetzt?

Lassen Sie mich zu Beginn erst einmal Dank sagen an die Stadt, in der ich bislang den Großteil meiner Zeit verbringen durfte. Ich danke den Magdeburgern dafür, dass ich in Ruhe meinem Tag- und Nachtwerk nachgehen konnte. In meiner Lieblingsstadt geht man mit den Prominenten nämlich so um, wie Leute meines Geistes es mögen. Man belästigt uns nicht. Man respektiert unsere Eigenarten. Dieser Starrummel in Halle geht einem hingegen doch ganz schön an die Knochen.

Ich darf Sie an meine Frage erinnern...

Ja, ja, nur nicht so ungeduldig, junger Freund. Also, um es deutlich zu sagen: Ich bin nicht freiwillig hier. Warum hätte ich mir das auch antun sollen? Hier gibt es weder einen richtigen Dom, noch haben jemals Könige hier gewohnt. Man sagt mir nach, ich sei immer gut zu den Armen gewesen – vielleicht verband man aus diesem Grund Hoffnungen mit meiner Anwesenheit. Ich wurde regelrecht entführt und frage mich noch heute, wo meine Magdeburger Beschützer nur ihre Augen und Ohren hatten.

Trotzdem: Sie sind bereits seit mehreren Wochen in Halle. Wie gefällt Ihnen die Stadt heute?

Gesehen habe ich bisher noch nicht viel – eigentlich nur das todschicke Landesmuseum. Hier lagern neuerdings die Reichtümer des Landes. Um diese alle ausgiebig studieren zu können, müsste ich wohl an die tausend Jahre hierbleiben. Wie es auf den Straßen aussieht? Da bin ich auf Erzählungen angewiesen: Es gibt einen Dom ohne Türme, einen Hafen ohne Schiffe und einen Fußballclub ohne Zuschauer. Diesen Mangel an Aussicht will man wohl wettmachen, indem man anderweitig für meine Zerstreuung sorgen möchte: Es werden mir Reisen angeboten nach England und Mainz zum Beispiel. Ich soll am liebsten überall gleichzeitig hinfahren. Aber ich kann mich doch nicht zerteilen!

Wie wir wissen, gibt es in Halle Wissenschaftler, die eben alles über Sie in Erfahrung bringen wollen, liebe Editha. Dafür sparen sie weder Geld noch Mühe.

Und wofür das alles? Für den flüchtigen Ruhm eines Zeitungsfotos! Dafür wollen die Herren der Grabeschaufeln meine Geheimnisse an die Öffentlichkeit zerren. Man will sogar wissen, welches Wasser ich vor über 1.000 Jahren getrunken habe. Das geht nun wirklich niemanden etwas an! Geliebt habe ich jedenfalls immer nur Otto, da werden die besten Wissenschaftler der Welt Gegenteiliges nicht herausbekommen.

Magdeburg, Ihre Morgengabe, hofft auf Ihre baldige Rückkehr. Der Oberbürgermeister lobte Ihre Identität stiftende Rolle für die Elbestadt.

Das höre ich zwar gern, doch fehlt mir der Glaube daran, dass wirklich die ganze Stadt auf mich wartet.

Was kann Magdeburg tun, um Sie vom Gegenteil zu überzeugen?

So Gott will, bin ich noch vor meinem elfhundertsten Geburtstag wieder in meiner Lieblingsstadt. Bis dahin könnten vielleicht einige junge Eltern ihre neugeborenen Mädchen Editha nennen. Das wäre eine feine Geste.

Möchten Sie jemanden in der Heimat grüßen?

Grüße nicht, eine Warnung möchte ich noch übermitteln. Ich habe viel Zeit nachzusinnen und frage mich oft: Was hindert die Ausgräber eigentlich daran, auch die Knochen meines Gemahls Otto zu entweihen und umzulagern? Darum mein Rat: Frauen und Männer in Magdeburg, lasst Euch nicht übertölpeln, seid wachsam! Die Hallenser sind vielleicht schon mitten unter Euch.