So geht es nicht! Da sollen oder dürfen Sie, die Bürgerinnen und Bürger, abstimmen, und es ist noch immer nicht klar wann. Ach so, erstmal muss ja noch gesagt werden, worum es überhaupt geht. Also, es geht um die Landtagswahlen am 20. März 2011, jedenfalls auch, ein wenig. Der Termin droht nun aber in Magdeburg zu verblassen. Denn hier soll am gleichen Tage abgestimmt werden über Gottes Werk und Teufels Beitrag. Gott heißt in diesem Falle Ulrich, der Teufel aber Ulbricht.
In den Diskussionen um den Nachbau der Ulrichskirche schlagen die Wogen fast so hoch wie bei Starkregen unter den Bahnhofsbrücken. Gut, das Problem wird in einigen Jahren durch einen Tunnel tiefergelegt. Dann ist es weg. Aber die Kirche. Tieferlegen geht nicht, so lang soll der Tunnel nicht werden. Sie aufzubauen finden viele Magdeburger ganz wichtig, Geld aus Spenden soll es richten. Anderen ist die Grünfläche neben dem Springbrunnen noch wichtiger, wieder andere fragen sich, was nach dem Bau mit dem Bau wird – und ob dann weiter gespendet wird. Für die vermutlich nicht ganz unerheblichen Betriebskosten nämlich. Inzwischen will sogar die Kirche, obwohl sie die Johanniskirche großzügig an die Stadt abgegeben hatte, diese neue/alte Kirche, nennt diese dann aber City-Kirche. Das irritiert uns. Aber gut, wahrscheinlich wird mit zahlreichen amerikanischen Lutheranern vulgo Touristen gerechnet. Und an der Übersetzung des Wortes Kirche ins Englische wird sicher noch gearbeitet.
Aber wir schweifen ab. Es geht, lieber Bürger, liebe Bürgerin, um ein elementares Recht auf Mitbestimmung über die Entwicklung des Stadtraumes. Und das per Bürgerentscheid! So etwas gab es in Magdeburg noch nicht! Es geht, lässt der Oberbürgermeister wissen, um einen „fundamentalen Akt der Demokratie“. Erlauben Sie uns bitte den kleinen Wortwitz: Darunter, unter dem Fundament, machen wir es eben nicht.
Wie lautet also die Frage am 20. März? Geht es um CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP oder was auch immer: Hier ist die Lage übersichtlich. Christdemokraten und Sozis planen ja schon die Koalitionsverhandlungen. In Magdeburg droht allerdings eine Überraschung: Dass die Volksabstimmung über die Kirche zu einer höheren Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen führt. Immerhin, das wäre nichts Schlechtes. Damit es aber bei der Abstimmung um die Kirche nicht zu schlicht zugeht, hier noch einige Varianten, mit denen man den Stimmzettel beim Bürgerentscheid anreichern könnte (Lieber Herr Dr. Trümper, das müsste doch zu machen sein!):
1. Ich bin für den Wiederaufbau, solange ich nicht spenden muss.
2. Ich bin für den Erhalt der Grünfläche, weil ich einen Hund habe.
3. Ich bin sowohl für den Wiederaufbau der Ulrichskirche als aauch für den Erhalt der Grünfläche.
4. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Blaue Bock zerstört werden muss.
Prognose: 3. und 4. sind mehrheitsfähig: Die Ulrichskirche wird auf der Fläche gebaut, wo jetzt noch der Blaue Bock steht.
Des sind Kombromisse, vo dene d Schwabe in Schduddgard nur dräume könne.