Donnerstag, 23. Dezember 2010

Was man sich alles schenken kann.

Die Bahn schenkt uns in diesem Jahr wirklich wieder gar nichts. Abgesehen von der vielleicht schönsten Nicht-Kaufempfehlung des Jahres. Am 20. Dezember riet die Bahn nämlich von Reisen mit dem Zug ab. Wozu das? Wollen die Bahnmanager endlich eine emotionale Übereinstimmung mit den Kunden zu erzielen? Das könnte zwar ansatzweise gelungen sein, wir raten aber trotz allem, die Idee weiterzuentwickeln. Wenn alle, wirklich alle Reisewilligen einfach daheim blieben – was sparte das für Kosten, Material, Kohlendioxid. Nicht auszudenken. Der Klimawandel wäre gestoppt, und noch besser: Die Bahn könnte keine Verluste mehr einfahren und wäre börsenreif.

Um die emotionale Übereinstimmung scheint es anderen Menschen Ende des großen Jammerjahres 2010 ebenso gegangen zu sein. Ganz groß im Kommen ist dabei das Geschenk, das zum Namen des Schenkenden passt. Wir beobachteten beispielsweise Böhmers Baumkuchen, den unser Ministerpräsident den darbenden Afghanistan-Armisten womöglich als Opiumersatz mitbrachte, Guttenbergs Gattin, die der Märchenprinz der deutschen Narkosepolitik zur Erbauung nämlicher Männer am Hindukusch vorzeigte. Aber das ist noch nicht alles. Auch in Magdeburgs Mitte greift dieses Schema: Trümpers Tunnel wird zwar später gebaut als angekündigt, ist aber dann eine tolle Erleichterung für alle Autofahrer, von denen es künftig immer mehr geben dürfte. Wenn die Bahn so weitermacht. Siehe oben. Und wo die mutigen Männer sich im Osten der Röhre nach rasanter Reise durchs Dunkel aus der Erde erheben, fällt ihr begeisterter Blick auf Köppes Kirche. Alles geschenkt. Dem Gedächtnis wird per Alliteration geholfen. Wir sind jedenfalls sicher, dass hinter dieser magischen Masche System steckt.

Nun, zu guter Letzt müssen wir unseren Sportsfreunden in Halle an der Saale noch einen einschenken. In der großen, großen Stadt hat man Anfang Dezember allen Handballfreunden die Halleschen Handballregeln geschenkt. Die Mitteldeutsche Zeitung reportierte im Sportteil (sic!) folgende Begebenheit aus einem Spiel des SC Magdeburg: „ Der Hannoveraner Jacek Bedzikowski wurde in der 45. Minute nach einem Foul an Weber von der Partie ausgeschlossen. Von diesem Zeitpunkt an mussten die Gäste bis zum Schluss in Unterzahl spielen.“ Tja, wäre es Fußball gewesen! Im Handball gilt aber: Ein Spiel dauert sechzig Minuten. Eine rote Karte führt zu einem zweiminütigem Unterzahlspiel. Der Rotsünder bleibt draußen, ein anderer Spieler nimmt nach der Zweiminutenstrafe seinen Platz ein. Solche Feinheiten muss ein Sportredakteur heutzutage wirklich nicht mehr wissen. (Liebe Magdeburger, Ihr brauchtet diese Erklärung nicht, schon klar. Aber vielleicht lesen Hallenser heimlich mit? Es gibt ja jetzt alles bei Wikileaks.)

Haben Sie etwa irgendwelche Qualifikationen? Die können Sie sich schenken, meint

federgeistchen

Montag, 1. November 2010

Ulrich oder Ulbricht?

So geht es nicht! Da sollen oder dürfen Sie, die Bürgerinnen und Bürger, abstimmen, und es ist noch immer nicht klar wann. Ach so, erstmal muss ja noch gesagt werden, worum es überhaupt geht. Also, es geht um die Landtagswahlen am 20. März 2011, jedenfalls auch, ein wenig. Der Termin droht nun aber in Magdeburg zu verblassen. Denn hier soll am gleichen Tage abgestimmt werden über Gottes Werk und Teufels Beitrag. Gott heißt in diesem Falle Ulrich, der Teufel aber Ulbricht.

In den Diskussionen um den Nachbau der Ulrichskirche schlagen die Wogen fast so hoch wie bei Starkregen unter den Bahnhofsbrücken. Gut, das Problem wird in einigen Jahren durch einen Tunnel tiefergelegt. Dann ist es weg. Aber die Kirche. Tieferlegen geht nicht, so lang soll der Tunnel nicht werden. Sie aufzubauen finden viele Magdeburger ganz wichtig, Geld aus Spenden soll es richten. Anderen ist die Grünfläche neben dem Springbrunnen noch wichtiger, wieder andere fragen sich, was nach dem Bau mit dem Bau wird – und ob dann weiter gespendet wird. Für die vermutlich nicht ganz unerheblichen Betriebskosten nämlich. Inzwischen will sogar die Kirche, obwohl sie die Johanniskirche großzügig an die Stadt abgegeben hatte, diese neue/alte Kirche, nennt diese dann aber City-Kirche. Das irritiert uns. Aber gut, wahrscheinlich wird mit zahlreichen amerikanischen Lutheranern vulgo Touristen gerechnet. Und an der Übersetzung des Wortes Kirche ins Englische wird sicher noch gearbeitet.

Aber wir schweifen ab. Es geht, lieber Bürger, liebe Bürgerin, um ein elementares Recht auf Mitbestimmung über die Entwicklung des Stadtraumes. Und das per Bürgerentscheid! So etwas gab es in Magdeburg noch nicht! Es geht, lässt der Oberbürgermeister wissen, um einen „fundamentalen Akt der Demokratie“. Erlauben Sie uns bitte den kleinen Wortwitz: Darunter, unter dem Fundament, machen wir es eben nicht.

Wie lautet also die Frage am 20. März? Geht es um CDU, SPD, Linke, Grüne, FDP oder was auch immer: Hier ist die Lage übersichtlich. Christdemokraten und Sozis planen ja schon die Koalitionsverhandlungen. In Magdeburg droht allerdings eine Überraschung: Dass die Volksabstimmung über die Kirche zu einer höheren Wahlbeteiligung bei den Landtagswahlen führt. Immerhin, das wäre nichts Schlechtes. Damit es aber bei der Abstimmung um die Kirche nicht zu schlicht zugeht, hier noch einige Varianten, mit denen man den Stimmzettel beim Bürgerentscheid anreichern könnte (Lieber Herr Dr. Trümper, das müsste doch zu machen sein!):

1. Ich bin für den Wiederaufbau, solange ich nicht spenden muss.

2. Ich bin für den Erhalt der Grünfläche, weil ich einen Hund habe.

3. Ich bin sowohl für den Wiederaufbau der Ulrichskirche als aauch für den Erhalt der Grünfläche.

4. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass der Blaue Bock zerstört werden muss.

Prognose: 3. und 4. sind mehrheitsfähig: Die Ulrichskirche wird auf der Fläche gebaut, wo jetzt noch der Blaue Bock steht.

Des sind Kombromisse, vo dene d Schwabe in Schduddgard nur dräume könne.

Sonntag, 26. September 2010

MVB achten die Kinderrechte

Die Volksstimme hatte es verkündet, die Leser fanden es meist falsch, der Stadtrat ist zufrieden: Die Magdeburger Verkehrsbetriebe erhöhen die Preise. Teils moderat, teils saftig. Besonders hoch geht es bei Kinderfahrkarten. Das finden viele besonders schlimm.

Dabei wird ein wesentlicher Fakt zu Unrecht nicht bemerkt. Überall wird doch heutzutage verlangt, dass die lieben Kleinen mehr Beachtung verdienen. Kinder haben Rechte, tönt es durchs Land. Sie sollen quasi für voll genommen werden. Überall.

Ja, und das haben die MVB nun endlich getan. Ganze Preise für ganze Persönlichkeiten. Die Marketingchefin hat das nur noch nicht so gut rübergebracht. Letztlich gilt unser Glückwunsch den weitsichtigen Entscheidern in der Chefetage der Verkehrtbetriebe und den Stadtratsfriktionen, wegweisend ist das! Magdeburg ist und bleibt eben eine besonders kinderfreundliche Stadt. Spricht sich das erst rum, werden junge Famlien gern in unsere schöne ElbDomOttoStadt ziehen.

Montag, 22. Februar 2010

Geht nicht zum Kabarettisten!

Was darf die Satire? Die Frage ist nicht neu und wurde schon vor bald hundert Jahren gestellt und beantwortet. Doch dazu später mehr.

Ihr Magdeburger Kabarett namens Zwickmühle hatte im Kampf um Aufmerksamkeit ein Titelmotiv für ein Programmfaltblättchen entworfen, das unter anderem aus dem Schriftzug „HARTZ IV MACHT FREI“, einem Roland Koch in Uniform und drei Kabarettisten besteht. „ Grimassen-schneidenden Darsteller“ nennt diese der grüne Stadtrat Sören Herbst auf seiner Webseite.

Der junge Mann, bislang in Magdeburg bekannt geworden als Kämpfer gegen den Rechtsextremismus und für freies W-LAN, hat nämlich gar kein Verständnis für diese Bildidee. Recht so, Herr Herbst! Einer muss wenigstens den Mut haben und einschreiten. Wo kämen wir denn hin, wenn Satiriker einfach machen könnten, was sie wollen. Und wenn’s bei Pölitz und Co. mit der Schere im Kopf nicht klappt, muss ein aufrechter Mensch auch schon mal nachhelfen.

Herbst gibt in seiner kantigen Pressemitteilung die Richtung vor: „Die Werbung der Zwickmühle ist weder originell, noch kritisch, sie ist nicht satirisch und schon gar nicht komisch.“ Gut, Satire muss nicht komisch sein, aber Satire ist es ja angeblich auch nicht. Es geht ihm dabei nicht um Geschmack, darüber ließe sich streiten: „Fakt ist, dass hier ganz klar die Grenzen des Geschmacks – des guten wie des schlechten – überreizt wurden.“ Und weiter feste druff: „ Sie (die Werbung) ist eine kaum zu ertragende Relativierung (...) der nach industriellen Maßstäben betriebenen Vernichtung der Juden.“ Während wir beim Betrachten des Faltblättchens noch dachten, wenn der Koch das sieht, streicht er uns Ossis den Soligroschen, hilft Magdeburgs Wächter über die politische Korrektheit uns schlichten Gemütern auf die Sprünge.

Kommen wir zu Eingangsfrage zurück. Kurt Tucholsky alias Ignaz Wrobel meinte 1919: „Übertreibt die Satire? Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.“

Der Gerechte Herbst leidet allerdings wegen der Ungerechten, die er entlarvt hat: „Ich wünsche der Zwickmühle für das entsprechende Programm möglichst wenige Besucher und fordere Hans-Günther Pölitz und sein Ensemble auf, sich bei den Opfern öffentlich zu entschuldigen.“ Was heißt das im Klartext: Geht nicht zum Kabarettisten! Es könnte sonst sein, dass auch Sie sich vom Großen Grünen zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt sehen.

Schließen wir mit Tucholsky, auch unter Grünen sicher unverdächtig: „ Der deutsche Satiriker tanzt zwischen Berufsständen, Klassen, Konfessionen und Lokaleinrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend.“ Aber nur Mut, liebe Kabarettfreunde, und Dank an Ignaz Wrobel, denn:
„Was darf die Satire?
Alles.“

Epilog: Die jüngste Idee der grünen Stadtratsfraktion, den Handelsreisenden (und den paar Touristen) eine Kulturabgabe auf die Hotelrechnung aufzuschlagen, reizt uns zu folgendem Vorschlag: Die Einnahmen kommen einem geschmackvollen Kabarett zugute, dessen Korrektheitswächter Sören Herbst wird. Diese Einrichtung wird ohne Stütze nämlich nicht auskommen...

Mittwoch, 3. Februar 2010

Otto ist los!

Jetzt können alle Nörgler endlich richtig Gas geben! Die Plakate hängen. Die Botschafter bekennen sich. Die Moderatorin auf dem Alten Markt verzählt sich beim Countdown. Das kommt davon, wenn es nicht vorwärts geht.

Aber nun – mit den Ottos – wird alles besser, und wenn wir Glück haben, wird es sogar gut. Nur die Grünen, die glauben noch an die Stadt mit Zugkraft und wollen den alten Slogan wiederhaben. Jungs (es sitzen keine grüne Frauen im Stadtrat, sorry Editha), nehmt Euren Wahlkampfetat von 2011, dann könnt ihr die Zugkraft haben. Mitsamt den leeren Halbkugeln.

So, nun freue ich mich auf die vielen kreativen Kontra-Leserbiefe im Heimatblatt.