Montag, 22. Februar 2010

Geht nicht zum Kabarettisten!

Was darf die Satire? Die Frage ist nicht neu und wurde schon vor bald hundert Jahren gestellt und beantwortet. Doch dazu später mehr.

Ihr Magdeburger Kabarett namens Zwickmühle hatte im Kampf um Aufmerksamkeit ein Titelmotiv für ein Programmfaltblättchen entworfen, das unter anderem aus dem Schriftzug „HARTZ IV MACHT FREI“, einem Roland Koch in Uniform und drei Kabarettisten besteht. „ Grimassen-schneidenden Darsteller“ nennt diese der grüne Stadtrat Sören Herbst auf seiner Webseite.

Der junge Mann, bislang in Magdeburg bekannt geworden als Kämpfer gegen den Rechtsextremismus und für freies W-LAN, hat nämlich gar kein Verständnis für diese Bildidee. Recht so, Herr Herbst! Einer muss wenigstens den Mut haben und einschreiten. Wo kämen wir denn hin, wenn Satiriker einfach machen könnten, was sie wollen. Und wenn’s bei Pölitz und Co. mit der Schere im Kopf nicht klappt, muss ein aufrechter Mensch auch schon mal nachhelfen.

Herbst gibt in seiner kantigen Pressemitteilung die Richtung vor: „Die Werbung der Zwickmühle ist weder originell, noch kritisch, sie ist nicht satirisch und schon gar nicht komisch.“ Gut, Satire muss nicht komisch sein, aber Satire ist es ja angeblich auch nicht. Es geht ihm dabei nicht um Geschmack, darüber ließe sich streiten: „Fakt ist, dass hier ganz klar die Grenzen des Geschmacks – des guten wie des schlechten – überreizt wurden.“ Und weiter feste druff: „ Sie (die Werbung) ist eine kaum zu ertragende Relativierung (...) der nach industriellen Maßstäben betriebenen Vernichtung der Juden.“ Während wir beim Betrachten des Faltblättchens noch dachten, wenn der Koch das sieht, streicht er uns Ossis den Soligroschen, hilft Magdeburgs Wächter über die politische Korrektheit uns schlichten Gemütern auf die Sprünge.

Kommen wir zu Eingangsfrage zurück. Kurt Tucholsky alias Ignaz Wrobel meinte 1919: „Übertreibt die Satire? Die Satire muß übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht. Sie bläst die Wahrheit auf, damit sie deutlicher wird, und sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.“

Der Gerechte Herbst leidet allerdings wegen der Ungerechten, die er entlarvt hat: „Ich wünsche der Zwickmühle für das entsprechende Programm möglichst wenige Besucher und fordere Hans-Günther Pölitz und sein Ensemble auf, sich bei den Opfern öffentlich zu entschuldigen.“ Was heißt das im Klartext: Geht nicht zum Kabarettisten! Es könnte sonst sein, dass auch Sie sich vom Großen Grünen zu einer öffentlichen Entschuldigung genötigt sehen.

Schließen wir mit Tucholsky, auch unter Grünen sicher unverdächtig: „ Der deutsche Satiriker tanzt zwischen Berufsständen, Klassen, Konfessionen und Lokaleinrichtungen einen ständigen Eiertanz. Das ist gewiß recht graziös, aber auf die Dauer etwas ermüdend.“ Aber nur Mut, liebe Kabarettfreunde, und Dank an Ignaz Wrobel, denn:
„Was darf die Satire?
Alles.“

Epilog: Die jüngste Idee der grünen Stadtratsfraktion, den Handelsreisenden (und den paar Touristen) eine Kulturabgabe auf die Hotelrechnung aufzuschlagen, reizt uns zu folgendem Vorschlag: Die Einnahmen kommen einem geschmackvollen Kabarett zugute, dessen Korrektheitswächter Sören Herbst wird. Diese Einrichtung wird ohne Stütze nämlich nicht auskommen...

Mittwoch, 3. Februar 2010

Otto ist los!

Jetzt können alle Nörgler endlich richtig Gas geben! Die Plakate hängen. Die Botschafter bekennen sich. Die Moderatorin auf dem Alten Markt verzählt sich beim Countdown. Das kommt davon, wenn es nicht vorwärts geht.

Aber nun – mit den Ottos – wird alles besser, und wenn wir Glück haben, wird es sogar gut. Nur die Grünen, die glauben noch an die Stadt mit Zugkraft und wollen den alten Slogan wiederhaben. Jungs (es sitzen keine grüne Frauen im Stadtrat, sorry Editha), nehmt Euren Wahlkampfetat von 2011, dann könnt ihr die Zugkraft haben. Mitsamt den leeren Halbkugeln.

So, nun freue ich mich auf die vielen kreativen Kontra-Leserbiefe im Heimatblatt.