Der Oberbürgermeister hat’s erlaubt, dann wollen wir’s auch tun: Wir beteiligen uns an der Diskussion über Architektur in unserer schönen und modernen Stadt mit den vielen alten Häusern und zahllosen Schmuckkästchen der Neuen Zeit. „Aber sie muss auf der sachlichen Ebene bleiben!“ ruft uns der OB aus seinem Heimatblatt Volksstimme flugs noch hinterher, also befolgen wir auch diesen Wunsch und bleiben auf der Ebene der Sachlichkeit. Der Versuch, satirisch zu sein, ist – angesichts massiver realsatirischer Anmerkungen aus Kommunalpolitik und Denkmalschutz – ohnehin zum Scheitern verurteilt.
Wer immer noch nicht weiß, worum es geht, der sollte schnellstmöglich das Schleinufer in Richtung Norden befahren und dabei versuchen, die altehrwürdige Lukasklause zu entdecken. Kenner der Gegend und Volksstimme-Abonnenten wissen: Das wird nichts mehr. Denn vor der Klause steht eine Baustellenverkleidung, die den mittelalterlichen Bau gleich mit verdeckt. Zu unserem Erstaunen behaupten die Architekten seit Entdeckung der Verdeckung allerdings beharrlich, diese sei der Anbau, der sei modern und die Kritiker sollten doch mal warten bis alles fertig sei. Nun, wir sind jedenfalls schon ziemlich fertig, nämlich vor lauter Entsetzen. Denn was aussieht wie ein gepflegter Bretterzaun mit Schriftzug, ist in Wirklichkeit aus Sichtbeton. Und der heißt schließlich so, weil man ihn auch nach der Fertigstellung eines Baus sehen soll. Aber warum tun Architekten so etwas? Und sagt denn da keiner was, bevor unsere fleißigen Bauarbeiter anfangen unser Mittelalter zuzubetonieren? Oder wollten diese Neokubisten vielleicht den Klause-Bau nur vor zu viel Südsonne und -wind schützen? Übrigens: Kennen Sie den, den Klause-Witz? Sichtbeton ist die Fortsetzung der Architektur mit anderen Mitteln.
Gibt es Trost angesichts des ockerfarbenen Hochbunkers? Na klar, vom Denkmalschutz! Danach handele es sich nämlich um „keinen Eingriff im Sinne des Denkmalschutzgesetzes“. Klar, schließlich wird das Denkmal geschützt. Sogar vor neugierigen Blicken. Außerdem würden die Eigenschaften des Kulturdenkmals durch den Erweiterungsbau nicht berührt. Stimmt auch. Der Abstand ist erkennbar – wenn man ganz nah ran geht. Diese Argumentation wird manchen Bewohner in der Gartenstadt Reform, in der Beimssiedlung und in anderen vom Denkmalschutz okkupierten Gebieten aufatmen lassen. Anbauten schützen das Denkmal! Und wenn die Garage nur deutlich anders aussieht als das Haus, ist auch der Fortschritt der Architektur, „die bauliche Entwicklung weiterhin ablesbar“. So wollen es die Denkmalschützer. Heimwerker aller Länder, jetzt geht wieder was!
Gott sei Dank hat die Volksstimme ihr Herz für den aufgebrachten Leser entdeckt und druckt dessen wütende Texte ab. Daran mangelt es derzeit auch aus anderem Anlass nicht. Naturgemäß regt auch die frische Marketingkampagne unter der Dachmarke Otto die Leser zu kreativen Wortmeldungen an. Wir wollen hier aus der Not eine Tugend machen und zwei schöne Vorschläge einreichen, die beide Ereignisse verbinden: Otto betoniert. Otto sieht nicht durch.
Unterm Strich bekommt so oder so Wigbert Schwenke Recht. Der meinte anlässlich des Richtfestes hoffnungsfroh: „...und am Ende gab es entweder eine Auszeichnung oder der Bau entwickelte sich zum Touristenmagneten.“ Beides geht eben nicht.
“Nein” zu Social-Media-Verbot, Leuchtturm, Alltägliche Gefahr
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1. Deutscher Ethikrat sagt “Nein” zu Social-Media-Verbot (netzpolitik.org,
Sebastian Meineck) Sebastian Meineck fasst die Stellungnahme des Deutschen
Ethik...
vor 22 Stunden
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